05 April 2012
Nachbericht zur Schimmelpilzkonferenz in Berlin
Nach der Begrüßung und Eröffnung der Veranstaltung durch den Moderator Frank Frössel referierte der erste Redner über die neue Lüftungsnorm DIN 1946-6 und deren Umsetzung im Neu- und Altbau. Hierzu konnte mit Herrn Heinz der Obmann aus dem DIN-Normen-Ausschuss gewonnen werden, der quasi an der Quelle sitzt und alle Aspekte der Norm ausführlich erläutern konnte. Gleichzeitig diente der Vortrag als Einstieg und Grundlagenwissen.

Anschließend kam die Praxis zu Wort. Die Firmen LUNOS und SCHÜCO stellten interessante Informationen und Systemlösungen sowie Neuigkeiten aus der Lüftungs- und Fenstertechnik vor. Eine der spannenden Fragen war hierbei die Nachrüstung von Altbauten, als eines der Zukunftsthemen.

Sven Seidel referierte über die Systemlösungen der Fa. SCHÜCO und stellte u. a. die fensterintegrierte Lüftung vor
Neben technischen Aspekten zur Lüftungstechnik wurden auch rechtliche Fragen erläutert. Hierzu führte Rechtsanwalt Bredereck aus und diskutierte zunächst die Frage nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik, in Bezug auf die neue Lüftungsnorm. Anschließend wurden die verschiedenen Vertragsverhältnisse beleuchtet und rechtliche Konsequenzen daraus abgeleitet.
Nach der Mittagspause ging es mit dem zweiten Block – der energetischen Sanierung – weiter. Hierbei ging es um die spannende Frage, in wie weit eine Außen- oder Innendämmung als Ursache oder Lösung für das Problem durch Schimmelpilze in Innenräumen anzusehen sind? Herr Dr. Buecher referierte zunächst zum Thema Wärmedämm-Verbundsysteme und zeigte auf, dass das Diffusionsverhalten überbewertet wird und Kondensation und Tauwasseranfall – als primäre Ursache für Schimmelpilzwachstum – eben gerade durch eine Außendämmung vermieden wird. Gleichzeitig wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass Wärmedämm-Verbundsysteme nicht auf feuchte Untergründe appliziert werden dürfen, sei es nun durch kapillar aufsteigende oder hygroskopische Feuchtigkeit bei Altbauten oder Restfeuchte aus dem Rohbau. Der Vorschlag Dr. Buecher´s, dass man auch für Wärmedämm-Verbundsysteme einen max. Feuchtewert definieren sollte, der eine Verlegung zulässt, fand große Zustimmung.

Bodo Buecher räumte mit einigen Vorurteilen gegen Wärmedämm-Verbundsystemen auf und erklärte die verschiedenen Feuchtemechanismen einer Außenwand
Anschließend referierte Herr Dr. Worch über die bauphysikalischen Besonderheiten bei der Innendämmung und stellte die verschiedenen Systeme zur Innendämmung vor. Hierbei zeigte sich einmal mehr, dass energetische Sanierungen geplant und in ein Gesamtkonzept integriert werden müssen.

Anatol Worch ging auf die Renaissance der Innendämmung ein und stellte die verschiedenen Systeme und Berechnungsmodelle vor
Den Abschluss der diesjährigen Schimmelpilzkonferenz bildete ein Experte zum Thema Nanobeschichtungen. Prof. Dr. Detlef Bahnemann hielt einen spannenden Exkurs in die Welt der Nanotechnologie als Einstieg in die Frage, welche Beschichtungen fungizide Wirkungen haben. Neben photokatalytischen Beschichtungen ging er auch auf Ansätze mit Nanosilber ein und gab einen interessanten Ausblick auf die Entwicklung der nächsten Jahre.

Detlef Bahnemann verführte die Teilnehmer in das Reich der Zwerge
Rundum kann die diesjährige Schimmelpilzkonferenz als gelungene Veranstaltung bezeichnet werden, auch wenn die Teilnehmerzahlen hinter denen des Vorjahres zurück geblieben sind. Als Begründung muss wohl die Erkenntnis herangezogen werden, dass auch beim Thema Schimmelpilze die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen entweder noch nicht gesehen wird oder damit zu wenig Geld verdient werden kann.
Ein Großteil der Teilnehmer sagte sein Kommen in 2013 bereits zu, wenn es dann voraussichtlich über Themen der Bauwerks- und Innenraumdiagnostik geht.
