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Altbau-NavigatorSanierung von Putzschäden

Sanierung von Putzschäden

  • Einleitung
  • Untergrundbedingte Risse
  • Putzbedingte Risse

Einleitung

Schäden an Putzbeschichtungen können sehr vielfältig sein. Sie können am Neubau oder am Altbau auftreten, ihre Ursache(n) im Putz selbst oder im Untergrund, der Witterung und/ oder in der Verarbeitung haben sowie einen Mangel darstellen oder nicht. Des Weiteren gibt es Putzschäden, die nur eine optische Beeinträchtigung darstellen, andere wiederum heben die technische Funktionalität auf. Infolgedessen muss die Betrachtung differenziert erfolgen.

Putz ist ein Oberbegriff für verschiedene Arten von Putzmörtel, Oberflächen und Anwendungen. Man unterscheidet verschiedene Arten von Putz, entweder nach den Bindemitteln (wie z. B. Lehm-, Kalk-, Kalkzement-, Zement-, Gips-, Silikat-, Kunstharz- oder Siliconharzputz), nach der Art der Oberflächen (wie z. B. Kratz-, Reibe-, Rillen-, Scheiben-, Modellier-, Filz-, Glatt-, Buntstein-, Landhaus- oder Klosterputz u. a.), nach der Anwendung (wie z. B. Innen-, Außen-, Unter- oder Oberputz) sowie nach den Eigenschaften (wie z. B. Sanier-, Leicht-, Wärmedämm-, Brandschutz-, Akustik- oder Sperrputz).

Putzschäden können auftreten in Form von Abplatzungen, Frostschäden und/ oder Ausblühungen, untergrund- oder putzbedingten Rissen, Verschmutzungen, mikrobiellem Befall, Strukturabweichungen, Farbtonveränderungen und dgl. In jedem Fall sollte vorab geprüft werden, ob die Schäden nur an der Oberfläche auftreten oder die gesamte Putzschicht betreffen.

image002-smallAbplatzungen an der Oberfläche und/ oder ganzer Putzschichten werden verursacht, wenn die Haftung der einzelnen Putzschichten untereinander nicht mehr gegeben ist. Dies erfolgt u. a. durch Salz- und/oder Frostschäden, ungenügende Untergrundvorbehandlung, Trennschichten sowie Spannungen innerhalb der Schichten. Für die Überarbeitung ist wichtig, dass alle hohl liegenden Stellen entfernt werden und der Untergrund tragfähig ist. Anschließend werden die Stellen, je nach Größe der Abplatzungen und/ oder Ausbrüche, ausgebessert und/ oder vollflächig mit oder ohne Gewebe überarbeitet.

image004-smallFeuchte- und/ oder Salzbelastung auf und in Putzen wird durch eine fehlende oder nicht mehr funktionsfähige Horizontal- und/oder Vertikalabdichtung verursacht. Infolgedessen nimmt das Mauerwerk Feuchtigkeit und gelöste Salze aus dem Erdreich auf und transportiert diese über den gesamten Mauerwerksquerschnitt bis zur Oberfläche. Ausblühungen, Abplatzungen, Feuchtigkeitsränder, Frostschäden und andere Schadensbilder an der Putzoberfläche sind die Folge. Außerdem erhöht sich die hygroskopische Feuchte im Putz. Eine nachhaltige Sanierung von feuchte- und/ oder salzbelasteten Putzen ist nur möglich, in dem der alte Putz bis ca. 1 Meter über der sichtbaren Durchfeuchtung abgeschlagen und durch einen speziellen Sanierputz ersetzt wird.

image006-smallAufgrund veränderter Umweltbedingungen (wie z. B. weniger Schwefelsäure und mehr Kohlendioxid in der Luft), weniger Biozide in der Landwirtschaft, mehr Sporen in der Umwelt, einer veränderten Bauweise (wie z. B. keine oder geringere Dachüberstände und hoch wärmedämmende Außenhüllen) kommt es auf der Fassadenoberfläche zunehmend zu mikrobiellen Befall. Ging es anfänglich um Algen, später um Pilze, so werden zunehmend auch Bakterien und Flechten nachgewiesen. Hauptproblem ist die Feuchtigkeit an der Oberfläche, die nicht in Form von Regen oder Niederschlägen auftritt, sondern durch Kondensation (Tauwasser), vor allem an der Nord-Ost-Fassade.

image008-smallFür eine Beseitigung des mikrobiellen Befalls wird die Fassade gereinigt. Nach ausreichender Trocknung wird eine biozid eingestellte Grundierung aufgetragen und anschließend zweimal mit einem Spezialanstrich versehen. Mikrobieller Befall kann hinausgezögert, aufgrund exogener Faktoren aber nicht komplett vermieden, werden. Des Weiteren gibt es neue Ansätze mit alkalischen Beschichtungen und/ oder hydrophile Oberflächen, mit denen die Abtrocknung der Oberfläche beschleunigt werden soll.

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Die größte Gruppe an Putzschäden stellen Risse dar. Diese werden in untergrundbedingte und putzbedingte Risse unterschieden (und separat beschrieben).

 

Untergrundbedingte Risse

können durch hygrisch und/ oder thermisch bedingte Volumenänderungen des Untergrundes (z. B. durchfeuchtete Holzwolle-Leichtbauplatten), durch Materialwechsel im Untergrund infolge unterschiedlicher Baustoffe (z. B. Ziegel, Naturstein, Beton), die ein unterschiedliches Saug-, Quell- und Schwindverhalten sowie unterschiedliche thermische Eigenschaften aufweisen sowie durch Unebenheiten des Untergrundes, die zu sprunghaften Putzdickenänderungen führen (z. B. nicht ausreichend vermörtelte breite Fugen) verursacht werden.

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Bei Kerbrissen handelt es sich um diagonal, von Maueröffnungen ausgehende Risse. Die Schadensursache liegt darin, dass in diesen Bauteilbereichen eine Unterbrechung des Mauerwerkes (z. B. Fenster und Türen) stattfindet. Bei thermischen und/ oder hygrischen Längenänderungen der gesamten Bauwerkskonstruktion kommt es in diesem Bereich zu anderen Verformungen (Scherspannungen), so dass diagonal verlaufende Risse in der Putzschale verursacht werden.

image014-smallBei Fugenrissen handelt es sich um Risse, die sich in den Lager- und Stoßfugen abzeichnen. Hierbei können sich genau die Maße der Mauersteine abzeichnen. Sie zeichnen sich vor allem auf hoch wärmedämmenden Mauerwerken (z. B. porosierte Ziegel, Leichtbeton- oder Porenbetonsteinen, Blähton- oder Bimshohlblocksteinen) ab. Die Rissbreiten liegen etwa zwischen 0,05 und 0,15 mm. Das größte Problem ist, dass sich häufig Fugenrisse mit bauwerksbedingten Rissen überlagern, so dass die Ursache nicht eindeutig zugeordnet werden kann.

Neben den sog. Stein-Putz-Rissen, insbesondere bei großformatigen und hoch wärmedämmenden Mauersteinen, gehören Risse im Bereich der Plattenstöße von großformatigen, zementgebundenen Platten oder Holzwerkstoffplatten, Kerbrisse an Ecken und Öffnungen, Risse im Bereich von Materialwechseln im Untergrund, Verwölbungen bei nicht ausreichend verklebten Dämmplatten sowie Höhenversatz oder offene Fugen bei benachbarten Dämmplatten zu den häufigsten Vertretern.

Putzbedingte Risse

haben ihre Ursachen ausschließlich im Putz selbst oder in dessen Verarbeitung. Sie treten an der Oberfläche auf oder durchziehen die Putzschicht bis zum Untergrund. Unterschieden werden Sack-, Schrumpf-, Schwind- und Fettrisse.

image016-smallSackrisse sind horizontal durchhängend verlaufene Risse mit einer Länge von 10 bis 20 cm. Die Rissbreiten sind unterschiedlich und können bis 3mm betragen. Hohlstellen sind im Bereich der unteren Rissflanke möglich. Sackrisse entstehen im noch plastischen Mörtel, wenn der frisch verputzte Mörtel nicht schnell genug seine Haftung zum Untergrund findet und durch sein Eigengewicht absackt. Dem entsprechend treten Sackrisse kurz nach dem frischen Putzauftrag auf. Mögliche Ursachen hierfür sind ein zu dicker Putzauftrag in einer Lage, eine zu weiche Konsistenz des Putzmörtels, ein zu langes oder starkes Verreiben der Putzoberfläche ("Totreiben") bzw. an einer Stelle sowie schlechte Haftung auf dem Untergrund.

image018-smallBei Schrumpfrissen handelt es sich um netzförmige Risse mit einem so genannten Knotenabstand von ca. 20cm und Rissbreiten bis ca. 0,5mm. Die Risse reichen nur in den seltensten Fällen bis zum Putzgrund. Sie entstehen relativ kurz, in der Regel 1 bis 2 Stunden, nach dem Aufbringen des Putzmörtels durch das Verdunsten des Anmachwassers, da sich hierbei das Volumen des Mörtels verkleinert. Dabei ist ein Ablösen der Rissflanken vom Putzgrund möglich. Ursachen sind ein zu feinkörniger Sand in der letzten Putzlage, ein zu schneller Entzug des Anmachwassers, ein zu langes oder starkes Verreiben der Putzoberfläche sowie ein zu hoher Bindemittelanteil im Oberputz sein.

image020-smallSchwindrisse treten ebenfalls netzförmig oder einfach verzweigt auf und werden deshalb auch als Y- oder Krakelee-Risse bezeichnet. Die Rissform resultiert daraus, dass sich unter Spannung stehende Flächen durch einen 6-eckigen Bruchverlauf entspannen können. Im Allgemeinen kommt es aber nicht zu einer geschlossenen sechseckigen Netzrissbildung, da bereits der Y-förmige Riss soweit Entspannung bringt, dass sich der Riss nicht weiter fortsetzt. Schwindrisse können bis zum Putzgrund reichen und entstehen in der Regel 1 bis 2 Monate nach Abschluss der Putzarbeiten. Im Bereich der Rissflanken kann ein Ablösen des Putzes vom Putzgrund auftreten. Schwindrisse treten fast immer dann auf, wenn die Komponenten eines Putzsystems nicht aufeinander abgestimmt oder wenn Standzeiten nicht eingehalten werden.

image022-smallAls Fettrisse werden kurze, nur an der Putzoberfläche vorhandene, Haarrisse bezeichnet. Sie können bei besonders feiner oder an geglätteten Oberflächen auftreten. Durch das Strukturieren bzw. Glätten der oberen Putzschicht mit einem Holzbrett bzw. einer Stahltraufel werden die Feinanteile des Putzgefüges an der Oberfläche angereichert und der Porenraum verkleinert. Diese ”Überfettung” der Putzoberfläche führen zu Oberflächenspannungen und später zum Riss.

Zur Überarbeitung gerissener Putze werden putz- oder anstrichtechnische Lösungen mit oder ohne Gewebe angeboten. Hierfür stehen mineralische und organisch gebundene Beschichtungen zur Verfügung. Bietet sich eine energetische Sanierung an, werden häufig auch Wärmedämm-Verbundsysteme verwendet – vor allem bei untergrundbedingten Rissen.

Weiterführende Literatur

  • Risse in Gebäuden

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  • Fassadenbeschichtung und -sanierung

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Seminar zum Thema

  • Risse in Gebäuden

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    07.12.2012, Berlin
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