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Altbau-NavigatorEnergetische Kellersanierung

Energetische Kellersanierung

Während bis vor ca. 10 Jahren eine Kellersanierung hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Feuchteschäden und deren Beseitigung gesehen und trockene Abstell- und Wirtschaftsräume gefordert wurden, hat sich der Anspruch in den letzten Jahren deutlich verändert. Der Kellerraum ist zu teuer, um ihn nur als Abstell- und Wirtschaftsraum zu nutzen. Immer öfter werden Kellerräume umfunktioniert und als Sauna, Hobbyraum und Arbeitszimmer genutzt oder dienen als Einliegerwohnung so gar als Einnahmequelle. Spätestens dann werden an diese Räume höchste Anforderungen in Bezug auf den Feuchte-, Brand-, Schall- und Wärmeschutz gestellt. Infolgedessen hat die energetische Sanierung längst auch die Kellerräume erreicht.

Für die herkömmliche Innendämmung werden verschiedene Systeme angeboten. Meistens sind es Trockenbaulösungen auf der Basis von Faserzement-, Holzwolle-Leichtbau-, Gipskarton- oder Gipsfaserplatten mit Polystyrol-, Mineralfaser- oder Mineralwolle-Dämmplatten sowie Kalziumsilikatplatten. In den letzten Jahren sind Dämmstoffe auf der Basis von Glaswolle und Polyurethan hinzu gekommen. Seit einiger Zeit werden auch „graue“ Polystyrol-Hartschaumplatten zur Innendämmung angeboten. Diese zeichnen sich gegenüber den üblichen „weißen“ Platten durch eine geringere Wärmeleitfähigkeit (0,032 bis 0,034 W/(m K)) aus.

Die Innendämmung wird entweder direkt auf den Untergrund verklebt, in Ausnahmen verdübelt oder auf eine Metall- oder Holzkonstruktion aufgebracht. Nicht alle sind im Rahmen der energetischen Kellersanierung geeignet. Erst Recht nicht, wenn vorab eine nachträgliche Horizontal- und/ oder Vertikalabdichtung ausgeführt wurde und im Zuge der Austrocknung mit einer höheren Feuchtebelastung und/ oder Salzausblühungen gerechnet werden muss. Bei frei stehenden Vorsatzschalen besteht das Problem, dass in der Luftschicht Salze ausblühen und aufgrund der Hygroskopizität der Feuchtegehalt ansteigt. Damit sind die Wachstumsvoraussetzungen für mikrobiellen Befall (Schimmelpilze oder Hausfäulen) gegeben.

Die Wärmeleitfähigkeit der Dämmstoffe hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Während noch vor ca. 10 Jahren eine Wärmeleitfähigkeit von 0,040 W/(m K) als marktüblich galt und vor ca. 5 Jahren ein Wert von 0,035 W/(m K) für Polystyrol-Hartschaumplatten als besonders gut herausgestellt wurde, sind mittlerweile Dämmstoffe auf Neopor®- oder Polyurethanbasis mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,032 W/(m K) auf dem Markt. Weiterentwicklungen mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,030 W/(m K) und darunter werden nicht lange auf sich warten lassen. Die sich dadurch kontinuierlich verringernde Dämmstoffdicke ist gerade für die energetische Sanierung von Kellerräumen von besonderem Interesse, da der zur Verfügung stehende Raum begrenzt ist.

Zu der energetischen Kellersanierung gehört neben der Innendämmung der erdberührten Außenwand auch die Kellerdecke und der Fußboden. Bei diesen beiden Systemen muss der zur Verfügung stehende Raum berücksichtigt werden. Während im Bodenbereich die Höhe durch die Türschwellen vorgegeben ist, müssen im Deckenbereich verlaufende Rohre sowie die gesetzlich vorgeschriebene Raumhöhe berücksichtigt werden. Beide Anwendungen unterscheiden sich durch die Art der vorgesehenen Nutzung. Während eine nachträgliche Wärmedämmung des Fußbodens nur dann Sinn macht, wenn der Keller zukünftig hochwertig (für Wohnräume oder wohnraumähnlich) genutzt werden soll, rechnet sich eine nachträgliche Kellerdeckendämmung auch dann, wenn der Keller nicht einmal zu einem hochwertigen Nutzraum umfunktioniert wird. Der Nutzen liegt darin, dass bei ungeheizten Kellerräumen ohne Kellerdeckendämmung bis zu 10% Heizenergie mehr im Erdgeschoss aufgewendet werden müssen, um Fußkälte zu vermeiden. Die energetische Kellersanierung dient in dem Fall in allererster Linie der Energieeinsparung im Wohnbereich. Hinzu kommt die Verbesserung des Schall- und Brandschutzes.

Für die nachträgliche Innendämmung erdberührter Bauteile werden hauptsächlich Wärmedämmstoffe wie Polystyrol oder Schaumglas verwendet. Bei diesen sperrenden Wärmedämmstoffen kommt es vor allem im Übergangsbereich zu nicht gedämmten Innenwänden sowie an Anschlüssen und/ oder Einbauteilen aus Holz zu massiven Problemen. Aus diesem Grund wurde ein kapillaraktives System zur Innendämmung im Rahmen der energetischen Sanierung entwickelt. Die Hauptkomponente ist eine hoch wärmedämmende Polyurethanschaumplatte mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,031 W/(m K) sowie senkrecht zur Oberfläche stehenden Lochungen. Diese Perforierung ist mit einem hoch kapillaraktiven Mörtel verfüllt. Dies verursacht die Symbiose aus hoher Kapillarität und Wasserdampfdiffusionsfähigkeit von Kalziumsilikat mit der hohen Wärmedämmung organischer Schäume. Das System wird abgerundet durch einen hoch porosierten Leichtmörtel, der zum Kleben und Armieren verwendet wird und die Funktion der Sorptionsschicht mit übernimmt. Die hygroskopische Speicherfähigkeit der diffusionsoffenen Innendämmung mit hoher kapillarer Leitfähigkeit puffert Feuchtigkeitsspitzen und verteilt diese in der Fläche. Infolgedessen kommt es zu einer schnelleren Abtrocknung, wie man dies bereits von modernen Fassadenfarben mit Spreizeffekt kennt. Die kapillaraktive Innendämmung besitzt dadurch ein hohes Trocknungspotenzial und ist damit ideal als präventiver Einsatz gegen das Wachstum von Schimmelpilzen und Bakterien.

image002Durch eine herkömmliche Innendämmung wird der Wandquerschnitt kälter, gleichzeitig steigt der Feuchtegehalt. Dies umso schneller, wenn die Innendämmung mit einer Innenabdichtung kombiniert wurde, was den Regelfall darstellt. Durch die speziellen Eigenschaften der kapillaraktiven Innendämmung herrschen im oberflächennahen Wandbereich besonders günstige hygrothermische Verhältnisse, sodass die Feuchtigkeit bereits in der Sorptionsschicht verteilt wird und nicht bis zur Oberfläche vordringen kann.

Die Innendämmung wird meistens im Klebeverfahren aufgetragen. Bei einer gleichzeitigen Innenabdichtung ist dies schon allein aufgrund der sonstigen Durchstoßung der Abdichtung zwangsläufig. Der abrisssichere Haftverbund ist in der Regel auch ohne zusätzliche Verdübelung gegeben. Hierzu wird zunächst die Haftzugfestigkeit des Untergrundes überprüft. In der Praxis hat sich eine Abreißfestigkeit von mindestens 0,08 N/m2 bewährt. Liegt diese darunter, muss überprüft werden, ob die Innendämmung gedübelt werden kann. Bei einer Innenabdichtung ist ggf. direkt auf den Untergrund eine Vorsatzschale zu mauern oder zu betonieren, auf die dann anschließend die Innendämmung verklebt wird. Zum Kleben werden in der Regel zementgebundene Mörtel verwendet, in Ausnahmen auch Dispersionskleber oder seit Kurzem ein Klebeschaum. Die Verklebung erfolgt im Punkt-Wulst-Verfahren (Klebekontaktfläche ≥ 40%). Die Plattenstöße sind knirsch zu verlegen; Hohlräume und offene Fugen zu vermeiden. Auf die Dämmplatten wird anschließend eine vollflächige Gewebearmierung aufgebracht, wobei die Gewebe mindestens 10 cm überlappen sollten. Nach entsprechender Trocknungs-/ Härtungszeit erfolgt die Schlussbeschichtung – meistens in Form eines Oberputzes oder einer gefilzten Glattbeschichtung, die gestrichen wird. In Ausnahmen wird die Oberfläche tapeziert oder mit Fliesen- oder Natursteinbelägen versehen.

Die Verarbeitung der Kellerdeckendämmung erfolgt analog der Innendämmung erdberührter Außenwände. Je nach Anspruch und Nutzung der Kellerräume ist es allerdings bei der Kellerdeckendämmung üblich, dass diese meistens keine hochwertige Schlussbeschichtung erhält. Entweder werden die Dämmplatten unbeschichtet belassen oder nur gestrichen.

Weiterführende Literatur

  • Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung

    Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung

Seminar zum Thema

  • Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung

    Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung

    24./25.01.2013, Berlin
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