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Altbau-NavigatorBehaglichkeit in Wohnungen

Behaglichkeit in Wohnungen

Unter der Behaglichkeit wird ganz allgemein der körperliche und seelische Zustand subjektiven Wohlbefindens verstanden. Umgangssprachlich wird der Begriff häufig auch als Synonym für Gemütlichkeit oder Geborgenheit verwendet. Die Behaglichkeit drückt also das Wohlbefinden eines Menschen aus und wird durch eine Reihe äußerer Einflüsse der Umgebung bedingt und bestimmt. Hierzu gehören psychologische, physiologische, soziologische und ästhetische Einflüsse. Diese vermischen sich zu einer subjektiven Wahrnehmung der Sinne, die sich rational nicht erklären lassen. Selbst die Luftqualität, der Lärmpegel, die Jahres- und/oder Tageszeit sowie das Wetter können das Wohlbefinden ganz erheblich beeinflussen. Dies ist bei Farb- und Innenraumgestaltungen wichtig zu wissen, da Entscheidungen nicht nur subjektiv getroffen werden, sondern durchaus eine Momentaufnahme darstellen können. Auch das Geschlecht und/oder Alter, das Gewicht und/oder der Gesundheitszustand der Person und ihre Nahrungsaufnahme beeinflussen das Wohlbefinden.

Es werden vier Arten der Behaglichkeit unterschieden. Neben der Behaglichkeit der Lichtverhältnisse werden noch die hygienische, psychologische und thermische Behaglichkeit unterschieden. Experten differenzieren deshalb das Innenraumklima in einen Mikro- und einen Makrokosmos – in eine menschliche und eine räumliche Betrachtung.

Hierfür werden

  • physikalische Einflüsse (z. B. Raumlufttemperatur, mittlere Wandflächentemperatur, Raumluftfeuchte, Raumluftbewegung, Zusammensetzung und Qualität der Luft, akustische und optische Einflüsse)
  • intermediäre Einflüsse (z. B. Kleidung, Art und Intensität der Tätigkeit sowie Anzahl und Aufenthaltsdauer der anwesenden Personen) und
  • physiologische Einflüsse (z. B. allgemeiner Gesundheitszustand, Alter, Geschlecht)

unterschieden.

Einen direkten Zusammenhang des subjektiven Wohlbefindens gibt es zu den eingesetzten Materialien und deren Farben. Holz und Teppich wirken wärmer und gemütlicher als Beton, Stahl oder Fliesen. Blaue und grüne Farben sind kälter, wirken aber gleichzeitig beruhigend. Gelbe und rote Farben sind wärmer, können aber eine gereizte Stimmung erzeugen. Weiße und schwarze Farben wirken dagegen neutral, können aber bei einer zu ästhetischen Zusammenstellung schnell kühl und ungemütlich wirken. Eine gut gewählte Farbkombination und Zusammenstellung von Optik und Haptik kann die Wahrnehmung verbessern, die Motivation und Leistungsfähigkeit steigern, den Gemütszustand und die Laune verbessern und Fehlleistungen minimieren. Allein die Farbpsychologie würde einen eigenen Beitrag füllen.

Das subjektive Wohlbefinden wird weiterhin durch akustische Einflüsse bestimmt, wobei sich die akustische Behaglichkeit nur schwer erfassen lässt. Grundsätzlich wird jede Art von Lärm als unangenehm empfunden wie z. B. tief fliegende Flugzeuge, Bohrmaschinen oder das Quietschen von Zugbremsen. Allerdings hat jeder Mensch eine andere Wahrnehmung von Lärm und auch komplett Schallreflektierende Räume werden in der Regel als akustisch unbehaglich wahrgenommen. Der so genannte Schalldruckpegel von Büro- und Wohnräumen liegt zwischen 25 bis 35 dB(A). Experten warnen seit Jahren, dass sich die Lärmbelästigung seit Jahren kontinuierlich erhöht und auf Dauer zu Krankheitsbildern, wie erhöhter Stress, Schlafstörungen usw. führen.

Wird ein neuer Raum betreten, nehmen wir in der Regel als Erstes den Geruch wahr. Er bestimmt unmittelbar, ob wir uns wohl fühlen. Diese Wahrnehmung beeinflusst die hygienische Behaglichkeit. Gerüche werden von den so genannten Chemorezeptoren in der Nase an das Gehirn weitergeleitet. Eingeatmete Gase oder so genannte Aerosole (Luftschwebstoffe) werden als Geruchsstoffe nach dem Prinzip von „Schlüssel“ (Geruchsstoff) und passendem „Schloss“ (Chemorezeptor) erkannt. Die Wahrnehmung von Gerüchen besitzt immer auch individuellen und subjektiven Charakter und ist abhängig von genetischen Prozessen im Gehirn. So ist das Geruchsempfinden zwischen den Geruchsstoffen einerseits sowie bei jedem Menschen andererseits sehr verschieden. Einerseits reicht bereits eine geringe Menge aus, um ein Geruchsempfinden zu entwickeln, auf der anderen Seite „ermüdet“ die Riechschleimhaut relativ schnell. Dies bedeutet, dass mit der Zeit die Geruchswahrnehmung verschwindet – der Geruch wird nicht mehr wahrgenommen, obwohl die Nase ihn weiterhin aufnimmt.

Die hygienische Behaglichkeit setzt sich also mit der Zusammensetzung und Qualität der Luft auseinander. Diese wird im Wesentlichen durch Schadstoffe (z. B. VOC) und mikrobielle Belastung (z. B. Sporen und MVOC) sowie durch Tabakrauch, Feinstaub- und CO2-Gehalt beeinflusst. Hierbei stehen alle diese Faktoren in unmittelbarer Abhängigkeit zur Außenluftqualität und dürfen nicht isoliert betrachtet werden.

Durch regelmäßiges und ausreichend langes Lüften wird nicht nur der Feuchtegehalt in der Innenraumluft reduziert, sondern auch Schadstoffe abgeführt und der CO2-Gehalt reguliert. Steigt dieser über 0,1 % (= 1.000 ppm) an, spricht man bereits von „schlechter Luft“. Untersuchungen haben ergeben, dass bei einem Anstieg des CO2-Gehaltes über 1.000 ppm die Konzentrationsfähigkeit deutlich nachlässt und bei über 5.000 ppm das Risiko von Kopfschmerzen um den Faktor 3 ansteigen lässt.

Ein behagliches Raumklima wird neben den bereits beschriebenen Einflüssen vor allem aber durch einen Faktor bestimmt – der Temperatur. Deshalb spricht man auch von der thermischen Behaglichkeit. Sie stellt das Hauptkriterium für ein behagliches Raumklima dar und wird in erster Linie durch die Haut als Sensor wahrgenommen. Hierzu muss man wissen, dass der Körper etwa 250.000 Kälte- und nur etwa 30.000 Wärmepunkte aufweist. Diese Nervenden nehmen nicht so sehr Temperaturen, sondern vielmehr Temperaturunterschiede, wahr. Je nach Reiz wirkt die Empfindung angenehm oder unangenehm. Während sich die Kälterezeptoren auf der gesamten Haut verteilen, befinden sich die Wärmerezeptoren im vorderen Stammhirn und steuern die körpereigene Temperaturregelung von 37 °C (+/- 0,8 °C). Dies erfolgt über die mehr oder weniger starke Durchblutung der Gefäßnetze in der Haut. Infolgedessen kann die Wärmeabgabe gesteigert oder reduziert werden. Hierbei gilt als Orientierung: wenn die Hauttemperatur unter 33 °C sinkt, friert man. Steigt die Stammhirntemperatur auf über 37 °C, fängt der Körper zur Wärmeabgabe an zu schwitzen. Die thermische Behaglichkeit liegt dann vor, wenn genau diese Schwellenwerte weder über- noch unterschritten werden.

Hierbei muss natürlich auch das Abführen von Wärme aus der Energieumsetzung (Stoffwechsel, körperliche Aktivität) berücksichtigt werden. Bei zunehmender Aktivität muss die Wärme an die Umgebung abgegeben werden, um eine konstante Körpertemperatur aufrecht zu erhalten und um Wärmestaus zu vermeiden. Dies erfolgt in der Regel über die Verdunstung. Für die Phasenumwandlung von flüssig auf gasförmig (= Schweiß auf der Hautoberfläche verdunstet) ist Verdunstungswärme erforderlich, die dem Körper entzogen wird. Außerdem muss die Atmung und Ausscheidung (ausschließlich Mensch) und Wärmeabstrahlung, Konvektion und Wärmeleitung (Wechselwirkung zwischen Mensch und Raum) genannt werden.

Der Bauphysiker differenziert deshalb in die Oberflächentemperatur von Wand, Boden und Decke sowie in die Raumlufttemperatur. Außerdem spielt die gefühlte oder empfundene Temperatur eine wichtige Rolle. Selbst Temperaturunterschiede in Fußboden- und Kopfhöhe werden bewertet. Darüber hinaus darf die Luftbewegung nicht zu stark sein, da diese sonst als Zugluft empfunden wird. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte nicht zu gering sein (Raumluft zu trocken), aber auch nicht zu hoch.

Von einem behaglichen Raumklima spricht man, wenn sich die empfundene Raumtemperatur zwischen 18 und 21 °C, die tatsächliche Raumlufttemperatur zwischen 20 und 22 °C, die Oberflächentemperatur der Wände bei 17 bis 19 °C und die Fußboden- und Deckentemperatur bei 18 bis 20 °C befindet. Durch die Wärmeabgabe empfindet der Mensch die gefühlte Temperatur anders als die tatsächliche Raumtemperatur. Diese kann berechnet werden und ergibt sich aus der Addition aus Oberflächen- und Lufttemperatur, geteilt durch zwei.

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Die Temperaturunterschiede zwischen Kopf und Fuß sollten nicht mehr als 3 °C auseinander liegen. Normalerweise wird das Aufsteigen warmer (leichter) Luft z. B. über Heizkörper und Sinken kalter (schwerer) Luft z. B. an oder vor kalten Wänden nicht wahrgenommen, da diese Bewegung zu gering ist. Übersteigt aber diese Luftströmung 0,2 Meter pro Sekunde wird diese als störende Zugluft empfunden. Diese Situation liegt in der Regel dann vor, wenn die Raumlufttemperatur mehr als 5 °C höher ist, als die Wandoberflächentemperatur.

Weiterführende Literatur

  • Schimmelpilze in Wohnungen

    Schimmelpilze in Wohnungen

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